Die Angst vor dem Tod

► Frage:

Ich bin eine Muslima und habe den Islâm – Lob sei Allâh – völlig überzeugt angenommen. Mit meiner Wahl und Entscheidung Muslima zu werden, bin ich sehr zufrieden. Seit der Geburt meines Sohnes hat sich die Angst, die ich beim Nachdenken über den Tod verspüre, gesteigert. Ich kann mich beim Lesen des Büchleins über das Gedenken Allâhs nicht immer vollständig vom Kummer und der Angst befreien.

Wie kann ich innere Ruhe erlangen? Und was muss ich tun, um dem angsteinflößenden Gedanken nicht mehr folgen zu müssen, dass wir von diesem weltlichen Leben ins Jenseits übergehen werden? Bin ich eine schlechte Muslimin? Vielen Dank für Ihre Hilfe!

► Antwort:

Der Lobpreis ist Allâhs des Herrn der Welten und möge Allâh unseren Propheten Muhammad und dessen Familie und all dessen Gefährten Segen und Wohlergehen schenken!

Und nun zur Frage:

Zuerst gratulieren wir der Schwester dazu, dass sie den Islâm angenommen hat. Der Islâm ist eine wirklich großartige Gunst Allâhs, deren Wert nicht mit einem Vermögen verglichen werden kann. Dein Bekennen ermöglicht dir den Eintritt ins Paradies und hat dich sicherlich vor der schmerzlichen Qual der Hölle gerettet, da du nicht als Ungläubige sterben wirst.

Nur die bloße Vergegenwärtigung der Bedeutung dieser Gabe Allâhs reicht schon aus, im Gegensatz zu Nicht-Muslimen glücklich und unbekümmert zu leben. Damit Allâh dich von der Seelenpein erlöst und dich immer auf den richtigen Weg leitet, raten wir dir, dass du dich immer an Allâh erinnerst, Ihm gedenkst und Ihn dauerhaft um Hilfe bittest. Die beste Zeit zum Gedenken ist zum Beispiel das letzte Drittel der Nacht. Es ist empfohlen morgens, abends, vor dem Schlafengehen, vor dem Ausgehen, und vor dem bzw. nach dem Essen Allâh regelmäßig zu gedenken. Die Formeln zum Gedenken findet man unter anderem im Buch „Hisn Al-Muslim“, das in diesem Zusammenhang sehr hilfreich ist und auch in viele Sprachen übersetzt wurde. Das Gedenken an Allâh verhilft dir zur inneren Ruhe, zum seelischen Glück und schützt dich vor dem Satan.

Im Qurân heißt es: „Diejenigen, die glauben und deren Herzen im Gedenken Allâhs Ruhe finden. Sicherlich im Gedenken Allâhs finden die Herzen Ruhe“ (Sûra 13:28)

Das regelmäßige und aufmerksame Lesen des Qurâns bringt Ruhe in dein Herzen..

Denn Allâh sagt: „Und wir offenbaren vom Qurân, was für die Gläubigen Heilung und Barmherzigkeit ist“ (Sûra 17:82)

und „O Menschen, zu euch ist nunmehr eine Ermahnung von eurem Herrn gekommen und eine Heilung für das, was in den Brüsten (z.B. Kummer, Zweifel usw.) ist. Eine Rechtleitung und Barmherzigkeit für die Gläubigen“ (Sûra 10:57)

Zudem erhält man für jeden gelesenen Buchstaben aus dem Qurân viele Hasanât (Belohnungen). In einem von At-Tirmidhî überlieferten Hadîth sagt der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken : „Wer den Qurân oder einen Teil davon vorliest, bekommt für jeden einzelnen Buchstaben eine Hasana (Belohnung).“ Insbesondere die Rezitation der zweiten Qurân-Sûra „Al-Baqara“ (dt. die Kuh) schützt die Wohnstätte vor dem Satan. Laut der Hadîthe des Propheten soll man vor dem Schlafengehen und nach dem Pflichtgebet den „Thronschemelvers“ (Sûra 2:255) lesen.

Wenn du all dies befolgst, erzielst du sicherlich ein gutes Ergebnis. Eine weitere Möglichkeit sich vom Kummer zu befreien, ist das wiederholte Aussprechen des Bittgebets des Propheten Yunus: „Es gibt keinen Gott außer Dir. Preis sei Dir. Gewiss ich gehöre zu den Ungerechten.“ Die islâmische Ruqya (bestimmte Bittgebete und die Qurânrezitation zur Heilung) könnte ebenfalls zur Linderung der Angst angewendet werden.

Du kannst auch eine Ärztin aufsuchen und untersuchen lassen, ob die Ängste bzw. der Kummer auf irgendeine Art und Weise mit der Geburt deines Kindes zusammenhängen. Eine medizinische Untersuchung ist nicht gegen die Sunna. Der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagt in einem von Abû Dâwûd, At-Tirmidhî und Ibn Mâdscha überlieferten Hadîth: „Sucht Heilung (oder lasst euch untersuchen!), denn Allâh hat keine Krankheit geschaffen, ohne dafür eine Heilung auch zu schaffen, außer dem hohen Alter.“ (von Al-Albânî als authentisch eingestuft).

Freunde dich mit muslimisch religiösen Frauen an, die dich im Islâm unterrichten und dich unterstützen können. Außerdem sollst du viele islâmische Tonbänder hören und islâmische Unterrichte besuchen.

Wenn man an den Tod denkt, darf man nicht verzweifeln und die weltlichen Aufgaben vernachlässigen. Der echte Muslim hofft auf das Paradies und fürchtet sich vor dem Höllenfeuer. Er bangt vor der göttlichen Strafe und wünscht sich die große Belohnung. Er hat Angst vor dem Jenseits, aber bereitet sich mit guten Taten darauf vor. Und er liebt das weltliche Leben nicht zu sehr, aber lebt es.

Respektiert man den Tod, ohne zu verzweifeln, schlägt man den Weg der frommen Menschen ein. Der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte: „Denkt viel an den Tod, den Zerstörer aller Weltgenüsse!“ (von An-Nasâî, Ibn Mâdscha und At-Tirmidhî überliefert und von Al-Albânî für authentisch befunden). Das Nachdenken über den Tod motiviert den Muslim, sich für das Jenseits mit guten Taten vorzubereiten und nicht nur den Genüssen dieser Welt zu verfallen.

Dein Kummer und deine Angst bedeuten nicht, dass du eine schlechte Muslimin bist. Das ist nur eine Prüfung von Allâh. Sowohl Probleme als auch Schwierigkeiten sind für den Gläubigen gut. Dies bestätigt der folgende von Muslim überlieferte Hadîth,dass der Prophet möge Allah ihn in Ehren halten und ihm Wohlergehen schenken sagte : „Wie erstaunlich ist es für den Gläubigen! Immer ist es gut für ihn: Bekommt er etwas Gutes, so dankt er Allâh und das ist gut für ihn. Hat er Probleme, so hat er Geduld und das ist auch gut für ihn.“

Möge Allâh dir helfen!

Und Allâh weiß es am besten!

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